Landwirtschaft in der Öffentlichkeit

Woher kommt die Milch?

„Aus dem Supermarkt.“, „Von der lila Kuh aus dem Fernsehen.“, „Aus der Tüte.“, „Von der Alm.“, „Das ist der beste Teil von Nutella.“ Das sind Antworten von Schul- und Kindergartenkindern, die auf unseren Milchviehbetrieb nach Bierbergen kommen. Viele wissen natürlich doch, dass die Milch von schwarz weißen Kühen kommt, aber eine echte Kuh in einem modernen Stall haben sie dann doch noch nie gesehen und damit sind sie in bester Gesellschaft von vielen Erwachsenen.
 
Kindergruppe im Kuhstall

Bereits bei der Planung unseres neuen Stalls haben wir daran gedacht, eine Möglichkeit zu schaffen, den Betrieb nach der Fertigstellung für interessierte Besuchergruppen zu öffnen und haben einen Besucherraum eingerichtet, von dem aus man über ein Fenster das Melken beobachten kann.
Unsere Idee ist auf eine größere Resonanz gestoßen, als wir erwartet hätten. Heute führen wir im Jahr ca. 1.000 Besucher von der Kita-Gruppe bis zu den Umwelt-Senioren durch unseren Betrieb. Auch viele Politiker und ehrenamtlich engagierte Mitbürger gehören als Multiplikatoren im ländlichen Raum zu unseren gern gesehenen Gästen.
Wir glauben, dass es wichtig ist, Verbrauchern zu zeigen, woher seine Lebensmittel kommen und wie sie entstehen - und haben damit wohl den Nerv der Zeit getroffen. In Anbetracht der Lebensmittelskandale, die in den vergangenen Jahren regelmäßig das Bild der Landwirtschaft und insbesondere der Tierhaltung erschüttert haben, ist es wichtig, den Verbraucher nicht allein der Berichterstattung der Medien auf der einen und der Beeinflussung durch die Werbung auf der anderen Seite auszusetzen. Beides spiegelt nicht die Realität der Landwirtschaft auf den deutschen Bauernhöfen wieder. Weder der niedliche Bär, der mit der Milchkanne über die Alm läuft noch die schrecklichen Bilder von BSE Kühen und Tierquälerei. An dieser Stelle tragen wir als Landwirt eine enorme Verantwortung für das Bild unseres Tuns und unserer Produkte in der Öffentlichkeit, die wir nur selbst übernehmen können. Keine Werbung und kein Lobbyverband kann das Vertrauen der Verbraucher in die heimische Landwirtschaft so nachhaltig aufbauen, wie ein Besuch auf dem Bauernhof. Ein hier gewonnenes positives Bild von einer nachhaltigen, generationenübergreifenden und tiergerechten Wirtschaftsweise kann auch durch eine negative, ja zum Teil schockierende Fernsehberichterstattung so schnell nicht ausgelöscht werden. Mehr Wissen hilft dem Verbraucher, nicht in Kategorien von gut und böse (z.B. gut = Bio, böse = konventionell) zu denken, sondern sich ein eigenes Bild von der nötigen Vielfalt der deutschen Landwirtschaft und ihrer Produkte zu machen. Das versuchen wir zu fördern.
Das Interesse Konkretes über die Milchproduktion von der Geburt eines Kalbes bis zur Vermarktung einer Schlachtkuh, über Fütterung und Haltung, Qualität und die gesamte Wertschöpfungskette Milch zu erfahren ist groß. Dabei ist es wichtig, auch kritische Themen, wie z. B. das Enthornen der Kälber oder den Einsatz von Sojaschrot aus Übersee, offen mit unseren Besuchern zu diskutieren. Wir bemühen uns, auf alle Fragen eine ehrliche und ungeschminkte Antwort zu geben. Dabei können wir mit so manchem Vorbehalt gegen die moderne Tierhaltung aufräumen. Groß heißt eben nicht immer gleich schlecht und klein nicht immer gleich gut. Wir versuchen zu vermitteln, dass die moderne, wissensbasierte Tierhaltung auch oder vor allem für das Tier ein enormer Fortschritt ist, denn nur eine gesunde, vitale und langlebige Kuh trägt zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes bei.
Unter anderem für unser Engagement für die Öffentlichkeitsarbeit wurden wir im Jahr 2012 mit dem 4. Platz beim Wettbewerb „Goldene Olga“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft ausgezeichnet. Darüber haben wir uns alle sehr gefreut, und es ist für uns ein Ansporn diesen Weg auch weiterhin zu beschreiten.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann kommen Sie doch mal raus aufs Land!

Kontakt:

Anke und Lutz Decker
Thingstraße 21
31249 Bierbergen
Tel. 0 51 28 / 4 09 11 48
info@hof-decker.de